Schüler nehmen das Sterben ins Visier

„Was war das Ungewöhnlichste, das ein Hospizgast mal in seinem Zimmer hatte?", will der Schüler der Hauptschule Bergneustadt wissen. „Neben dem Bett eines Hospizbewohners stand mal dessen geliebtes Motorrad", erzählt ihm Hospizpflegerin Bettina Hüttig-Reusch. Der fragende Jugendliche ist einer von vielen jungen Besuchern, die sich derzeit das Johannes-Hospiz Oberberg in Wiehl im Rahmen einer Projektarbeit anschauen.
Insgesamt sind 300 Schüler aus neun weiterführenden Schulen im Oberbergischen Kreis mit dabei: Beim Projekt „Licht im Dunkel" setzen sie sich in Zusammenarbeit mit dem Johannes-Hospiz Oberberg der Johanniter und dem dort mitarbeitenden Malteser-Hospizdienst mit dem Tod und der Trauer auseinander. Im Schulunterricht beschäftigen sie sich zehn Wochen lang unter anderem mit dem Sterben in Kunst und Literatur, mit der Kultur der Bestattung, dem Hintergrund von Gedenktagen und vor allem aber mit den eigenen Erlebnissen und Erfahrungen mit dem Tod und der Trauer.
„Die Inhalte sind immer auf die jeweiligen Bedürfnisse und Interessen der Schüler abgestimmt", sagt Projektleiter Gerd Felder. Die Ergebnisse der Schülerarbeiten gibt der Journalist und Diplom-Theologe aus Münster im kommenden Frühjahr als Buch heraus. Seit dem Jahr 2007 hat Felder bereits acht solcher Projekte in NRW begleitet. Beteiligt sind bei seinem aktuellen Projekt bisher die Gymnasien in Wiehl und Waldbröl, die Realschulen in Bergneustadt, Hückeswagen, Gummersbach-Steinberg und Gummersbach-Hepel sowie die Hauptschulen in Bergneustadt, Wipperfürth und Hückeswagen.


„Die meisten Erwachsenen wollen ihre Kinder am liebsten von den Themen Tod und Sterben fernhalten", sagt Andreas de Noni, Pflegedienstleiter des Johannes-Hospizes. Dabei habe er vielfach erlebt, dass Kinder und Jugendliche ein Interesse an diesen Themen haben und auf eine gesunde Weise mit ihnen umgehen können. „Außerdem begegnet sie dem Sterben", ergänzt Projektleiter Gerd Felder. „Denn junge Menschen erleben, dass ein Haustier oder die Großeltern sterben, sie bekommen den Suizid anderer Jugendlicher mit und werden durch die Medien mit Amokläufen, Unglücken oder Kriegen konfrontiert."
Mitgetragen und finanziell unterstützt wird das Projekt „Licht im Dunkel" vom Verein Freunde und Förderer der Hospizarbeit in Wiehl und Oberberg. Und bei einer Abschlussfeier am 25. November 2015 in der Realschule in Bergneustadt werden schon einmal viele Ergebnisse der Schülerarbeiten zwischen 11.00 Uhr und 13.00 Uhr zu sehen sein.

Bild: Gerd Felder, Schülerin Mena de Noni und Hospiz-Pflegedienstleiter Andreas de Noni (vorne von links) und Anke Bidner, Koordinatorin des Malteser-Hospizdienstes, mit Johanniter-Regionalvorstand Steffen Lengsfeld (hinten)